Fahrradparkhaus stoppen: 1,45 Millionen Euro für einen Bedarf, den es nicht gibt
Visualisierung einer möglichen geringfügigen Erweiterung der bestehenden Fahrradgarage am Bahnhof Sehnde. Die vorhandene ebenerdige Anlage wird in gleicher Bauweise ergänzt. Die Darstellung ist eine KI gestützte Bearbeitung eines Originalfotos.
Der Bedarf ist nicht vorhanden
Die FDP Sehnde hat die vorhandenen Fahrradabstellanlagen am Bahnhof mehrfach zu unterschiedlichen Zeiten gezählt. Selbst an warmen und stark frequentierten Tagen lag die festgestellte Gesamtauslastung lediglich bei rund 24 Prozent.
Im abgeschlossenen Bereich der bestehenden Fahrradgarage waren von 42 Stellplätzen maximal neun belegt.
Damit ist eindeutig: Sehnde hat derzeit keinen Bedarf für ein zusätzliches Fahrradparkhaus in dieser Größenordnung. Ein Neubau schafft keinen Nutzen, wenn die bereits vorhandenen Stellplätze größtenteils leer stehen.
Die Stadt bekommt nicht einmal die vorhandene Anlage organisiert
Die geringe Nutzung der bestehenden Fahrradgarage liegt nicht nur am fehlenden Bedarf. Auch der Zugang wurde schlecht organisiert.
Zeitweise wurden keine neuen Zugangschips ausgegeben. Gleichzeitig wurden Chips von ehemaligen Nutzern nicht zurückgefordert. Ein defekter Motorroller blockierte über Monate mehrere Stellplätze, ohne dass die Verwaltung davon wusste oder tätig wurde.
Neue Zugangschips kosten nur wenige Euro. Trotzdem wird dieses leicht lösbare Problem nicht behoben. Stattdessen soll ein Neubau für rund 1,45 Millionen Euro entstehen.
Wer nicht weiß, wie die bestehende Anlage genutzt wird und warum Stellplätze leer bleiben, kann keinen seriösen Bedarf für einen Millionenbau begründen.
Aus 1,06 Millionen wurden 1,45 Millionen Euro
Ursprünglich sollte das Fahrradparkhaus rund 1,06 Millionen Euro kosten. Inzwischen ist von rund 1,45 Millionen Euro die Rede.
Bereits etwa 235.000 Euro wurden für externe Planungen ausgegeben, ohne dass ein Gebäude entstanden ist. Die internen Arbeitsstunden und Verwaltungskosten sind in dieser Summe noch nicht enthalten.
Hinzu kommen nach dem Bau dauerhaft Kosten für Betrieb, Reinigung, Wartung, Personal und Instandhaltung. In den politischen Beratungen wurden dafür monatlich weitere 1.000 bis 2.000 Euro genannt.
Es ist aus unserer Sicht zudem unrealistisch, davon auszugehen, dass es bei den aktuell genannten Baukosten bleibt. Bereits jetzt mussten wesentliche Planungen angepasst werden. Weitere Kostensteigerungen sind deshalb nicht auszuschließen.
Auch Fördermittel sind Steuergeld
Als Argument für das Projekt wird immer wieder die hohe Förderung genannt. Der unmittelbare Anteil der Stadt soll auf 176.000 Euro begrenzt werden.
Diese Darstellung greift zu kurz.
Auch Fördermittel stammen aus Steuern. Es spielt keine Rolle, ob das Geld aus dem Haushalt der Stadt, der Region, des Landes oder des Bundes kommt. Es wurde von Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen erwirtschaftet.
Ein unnötiges Projekt wird nicht sinnvoll, nur weil ein anderer staatlicher Haushalt einen großen Teil der Rechnung übernimmt. Steuergeld ist kein Freifahrtschein.
Planungskosten rechtfertigen keine weiteren Ausgaben
Die bereits ausgegebenen 235.000 Euro sind kein Argument dafür, nun noch mehr Geld in das Projekt zu stecken.
Dieses Geld kommt nicht zurück, wenn zusätzlich mehr als eine Million Euro ausgegeben werden. Entscheidend ist allein, welche Lösung ab heute für Sehnde wirtschaftlich und sinnvoll ist.
Wer erkennt, dass ein Projekt keinen ausreichenden Bedarf hat, muss es stoppen. Weiterzumachen, nur weil bereits Geld ausgegeben wurde, würde den Schaden noch vergrößern.
Kiosk, Werkstatt und Toilette sind kein Grund für den Neubau
Neben den Fahrradstellplätzen sollen eine öffentliche Toilette, ein Kiosk und eine Fahrradwerkstatt entstehen.
Diese zusätzlichen Bestandteile rechtfertigen keinen kommunalen Millionenbau.
Eine öffentliche Toilette am Bahnhof ist aus unserer Sicht Aufgabe der Deutschen Bahn. Ein Kiosk und eine Fahrradwerkstatt sind gewerbliche Angebote. Wenn private Betreiber Interesse haben, kann die Stadt geeignete Rahmenbedingungen schaffen oder Flächen zur Verfügung stellen. Sie darf aber nicht selbst mit Steuergeld Angebote errichten, die in Konkurrenz zu bestehenden Unternehmen treten.
Fahrradstellplätze, öffentliche Toilette, Kiosk und Werkstatt müssen getrennt voneinander betrachtet werden. Sie dürfen nicht zu einem überdimensionierten Gesamtprojekt zusammengefasst werden, damit der Neubau größer und scheinbar notwendiger wirkt.
Mehr als 200 Menschen widersprechen
Mehr als 200 Menschen haben eine Petition gegen das Fahrradparkhaus unterstützt. Das ist keine repräsentative Abstimmung, aber ein deutliches politisches Signal.
Zusammen mit der geringen Auslastung der bestehenden Anlagen zeigt sich, dass das Projekt am tatsächlichen Bedarf vieler Sehnder Bürgerinnen und Bürger vorbeigeht.
Politik darf diesen Widerspruch nicht ignorieren. Beschlüsse müssen geändert werden, wenn sich die finanziellen Rahmenbedingungen verschlechtern und die ursprünglichen Bedarfsannahmen nicht bestätigen.
Wunstorf zeigt das Risiko
Am Bahnhof Wunstorf wurden rund 3,6 Millionen Euro in zwei Fahrradtürme mit insgesamt 244 Stellplätzen investiert. Im Jahr 2025 wurden dort durchschnittlich lediglich 34 Fahrräder pro Tag abgestellt. Das entspricht einer Auslastung von rund 14 Prozent.
Bis Ende 2025 musste der zuständige Dienst außerdem 82 Mal wegen technischer Störungen tätig werden.
Die Fahrradtürme in Wunstorf sind technisch nicht mit dem geplanten Sehnder Gebäude identisch. Das Beispiel zeigt trotzdem, was passiert, wenn ein gefördertes Millionenprojekt ohne realistischen Bedarfsnachweis umgesetzt wird: Die Anlage bleibt weitgehend leer und verursacht trotzdem dauerhaft Kosten.
Diesen Fehler darf Sehnde nicht wiederholen.
Unsere Alternative ist einfach und bezahlbar
Wir wollen die vorhandene Fahrradgarage auf der Nordseite des Bahnhofs erhalten und geringfügig erweitern.
Die bestehende Stahlkonstruktion kann mit zusätzlichen Gitterelementen, einer Verlängerung des vorhandenen Daches und weiteren ebenerdigen Fahrradständern ergänzt werden. Dafür braucht es keine zweite Etage, keine aufwendige Gebäudetechnik und keinen vollständigen Neubau.
Gleichzeitig muss der Zugang zuverlässig funktionieren. Neue Zugangschips müssen unkompliziert ausgegeben, nicht mehr benötigte Chips zurückgefordert und blockierte Stellplätze freigehalten werden.
Damit entstehen zusätzliche geschützte Fahrradstellplätze in der bereits vorhandenen Anlage. Diese Lösung ist funktional, schnell umsetzbar und kostet nur einen Bruchteil der geplanten 1,45 Millionen Euro.
Auch vorhandene Flächen am Bahnhofsgebäude können sinnvoll genutzt werden. Neue Kapazitäten dürfen nur schrittweise und entsprechend der tatsächlichen Nutzung geschaffen werden
Warum soll die Entscheidung bis nach der Wahl warten?
Der Rat hat die Fortsetzung des Projekts im März 2026 mit knapper Mehrheit beschlossen. Seitdem haben sich die Zweifel weiter bestätigt.
Die vorhandenen Anlagen bleiben gering ausgelastet. Mehr als 200 Menschen widersprechen dem Projekt. Die Zahlen aus Wunstorf zeigen die Risiken überdimensionierter Fahrradprojekte. Gleichzeitig wird die finanzielle Lage der Stadt immer schwieriger.
Trotzdem soll offenbar erst nach der Kommunalwahl erneut über teure Projekte und die Prioritäten der Stadt gesprochen werden.
Das ist nicht akzeptabel.
Bis zur nächsten Ratssitzung am 5. November können weitere Aufträge vergeben und neue Verträge abgeschlossen worden sein. Dann ist eine politische Korrektur möglicherweise nur noch mit zusätzlichen Ausstiegskosten möglich.
Deshalb bringt die FDP Ratsfraktion einen Dringlichkeitsantrag in die Ratssitzung am 27. August ein. Die Parteien sollen noch vor der Kommunalwahl darüber abstimmen, ob sie das Fahrradparkhaus stoppen oder weitere Steuergelder in ein Projekt ohne nachgewiesenen Bedarf investieren wollen.
Das fordern wir
Wir stoppen das geplante Fahrradparkhaus in seiner jetzigen Form.
Wir vergeben keine weiteren Aufträge und schließen keine neuen Verträge ab.
Wir legen sämtliche bisherigen Planungs, Förder, Betriebs und Folgekosten offen.
Wir erweitern die vorhandene Fahrradgarage geringfügig und in derselben einfachen Bauweise.
Wir sorgen dafür, dass Zugangschips ausgegeben und die vorhandenen Stellplätze vollständig nutzbar werden.
Wir überlassen Kiosk und Fahrradwerkstatt privaten Unternehmen und finanzieren keine gewerblichen Angebote aus dem städtischen Haushalt.
Wir schaffen nur so viele zusätzliche Stellplätze, wie tatsächlich benötigt werden.
Sichere Fahrradstellplätze ja. Ein Fahrradparkhaus für rund 1,45 Millionen Euro ohne nachgewiesenen Bedarf nein.
Dafür steht die FDP Sehnde.